Sonntag, 6. November 2011

Entscheidungen in der Gemeinschaft

Der Unterschied zwischen "ich habe mich entschieden" und "wir haben uns entschieden" beträgt für gewöhnlich Wochen, Monate oder gar Jahre. Entscheidungen alleine zu treffen ist oftmals schwierig genug, aber wenn mehrere Personen, oder wie in unserem Fall 47 Erwachsene etwas beschließen sollen, ist das eine recht komplexe Sache.

Grafik 1
Wir haben seit 2005 einen mehrstufigen Entscheidungsprozess. Jeder Erwachsene hat eine Stimme. Wenn ein Konsens möglich ist, dann kann die Entscheidung sehr rasch erfolgen, u.z. innerhalb von zwei Sitzungen, die zumeist monatlich stattfinden. Ab der dritten Sitzung, in der das Thema behandelt wird, genügt eine 2/3 Mehrheit.
Um in einer Gemeinschaft zu einer Entscheidung zu gelangen braucht man Langmut. Die Dinge laufen schleppend und es ist z.T. sehr mühsam die notwendigen Mehrheit für einen Beschluss zu bekommen. Wir haben aber doch einige Entscheidungen im Laufe der Jahre getroffen - siehe Grafik 1.

Welche Entscheidungen treffen wir? Die Mehrzahl der Entscheidungen seit bestehen der Cohousingsiedlung 2005 betrifft die Infrastruktur (18), dann Finanzielles (14), Nutzung der Gemeinschaftseinrichtungen (7), gefolgt von Gemeinschaftsbildung (4) und den Entscheidungsprozess selbst (3).

Grafik 2
Entscheidungen bestimmen unsere Zukunft, die individuelle und die gemeinsame. Den langen Atem, um in einer Gemeinschaft Impulse zu setzen oder Nutzen und Lasten gerecht zu verteilen, haben aber nur wenige. Von den 47 Erwachsenen in der Community waren 25 zumindest einmal in einer Arbeitsgruppe, die eine Initiative zu einer Abstimmung gebracht hat. Die Mehrzahl davon, nämlich 11, allerdings nur einmal. Wie in fast jeder Gemeinschaft gibt es auch bei uns einige Wenige die häufiger die Initiative ergreifen und bis zur Entscheidungsfindung in der Gruppe die Sache voranbringen (siehe Grafik 2). 47 Prozent der BewohnerInnen machen lediglich von ihrem Stimmrecht Gebrauch (auch nicht immer) und haben noch nie Abstimmungen beantragt.

Diese 22 BewohnerInnen tun nicht nichts; sie engagieren sich wie alle übrigen bei der Anlagenerhaltung und erfüllen wichtige Funktionen im Gemeinschaftsleben. Allerdings wäre es für die Gemeinschaft eine echte Bereicherung, wenn sie ihre Kompetenzen und Ideen in Arbeitsgruppen einbringen, die Entscheidungen vorbereiten und zur Abstimmung führen. Vielleicht könnte ein anderes Entscheidungsmodell dabei hilfreich sein: Die Soziokratie. Wir werden in den nächsten Wochen darüber diskutieren und entscheiden, ob wir uns darin schulen lassen wollen.